Die Geschichte der Naturparke in Deutschland

Wichtigster Wegbereiter der deutschen Naturparke war der Hamburger Kaufmann Dr. Alfred Toepfer. In seinem Vortrag "Naturschutzparke - eine Forderung unserer Zeit" stellte er am 6. Juni 1956 in der Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn ein Programm von fünfundzwanzig Naturparken (dieser Name ersetzte den vorerst benutzten Begriff „Naturschutzparke“) als Vorschlag vor. Weil die Politik das Konzept unterstützte, wurden bereits bis Ende 1964 25 neue Naturparke ausgewiesen. Mehr und mehr fanden die Naturparke Zustimmung unter Vertretern der Presse und den Besuchern. So gründete sich im Jahre 1963 der Verband Deutscher Naturparke e.V. (VDN), dessen erster Verbandspräsident Dr. Alfred Toepfer wurde.

Mit dem 1976 in Kraft getretenen Bundesnaturschutzgesetz verfügten die Naturparke daraufhin erstmalig über eine gesetzliche Grundlage, die Schutzgegenstand und Schutzzweck verbindlich vorgab. Naturparke wurden als, einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die großräumig sind, überwiegend aus Landschafts- oder Naturschutzgebieten bestehen und sich wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen für die Erholung besonders eignen, definiert.

Vor der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 war die Zahl der Naturparke mit 64 viele Jahre lang konstant. Die Wiedervereinigung brachte wiederum neue Impulse für die Entwicklung der Naturparke in Deutschland. Eine Gruppe um Prof. Dr. Michael Succow entwickelte mit dem Nationalparkprogramm kurz zuvor ein System von Großschutzgebieten (Nationalparke, Biosphärenreservate, Naturparke) das noch in der DDR umgesetzt wurde. 14 Gebiete wurden daraufhin in den Einigungsvertrag BRD-DDR übernommen. Die Naturparke der neuen Bundesländer hatten im Vergleich zu den bereits bestehenden westdeutschen Naturparken ein breiteres Aufgabenspektrum. Ziele wie wirtschaftliche Entwicklung, Regionalvermarktung und Umweltbildung wurden in diesem Sinne nach der Vereinigung verstärkt in die Rechtsgrundlagen aller Naturparke aufgenommen.

Die Forderung nach einer gleichgewichteten Integration ökologischer, ökonomischer und sozialer Ziele innerhalb einer nachhaltigen Gesamtentwicklung gewann mit der Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro an Bedeutung. Naturparke, als integrative und überkommunale Akteure, boten  die Chance, einen nachhaltigen Tourismus und eine umweltgerechte landwirtschaftliche Nutzung zu unterstützen und so die nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum zu fördern. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung fand deswegen auch Eingang in die Entwicklungsziele sowie in die praktische Arbeit der Naturparke. 1995 und 2001 wurden die "Aufgaben und Ziele der deutschen Naturparke", die 1984 erstmalig durch den VDN entwickelt worden waren, grundlegend überarbeitet. Mit dem 2006 vom VDN entwickelten "Petersberger Programm der Naturparke in Deutschland" wurden die Schwerpunkte der Arbeit der Naturparke für die kommenden Jahrzehnte festgesetzt.