Naturparke in Deutschland

Naturparke sind geschaffen worden, um großräumige Kulturlandschaften, die aus Naturschutzgründen sowie wegen ihrer besonderen Eigenart und Schönheit von herausragender Bedeutung sind, zu erhalten, zu pflegen, zu entwickeln oder wiederherzustellen. Jeder Naturpark repräsentiert dabei eine einzigartige Landschaft mit ihrem besonderen Erscheinungsbild.

Naturparke sollen sich zu "großräumigen Vorbildlandschaften" entwickeln und Regionen einer nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums werden. Vor diesem Hintergrund sollen in Naturparken der Naturschutz und die Erholungsvorsorge mit einer umwelt- und naturverträglichen Landnutzung sowie Wirtschaftsentwicklung und einer nachhaltigen Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen verbunden werden. Dabei verbessern Naturparke insbesondere für die Bevölkerung der Ballungsgebiete die Möglichkeiten einer landschaftsbezogenen Erholung und fördern die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus.

Sie fördern eine nachhaltige Landnutzung in der Land- und Forstwirtschaft und orientieren sich dabei vorrangig am Leitbild einer Kulturlandschaft ohne musealen Charakter, die nur mit den und für die im Gebiet lebenden Menschen erhalten und gestaltet werden kann. Diese Form der Landnutzung erhält und schafft die Voraussetzungen für die Erfüllung der Aufgaben im Bereich von Erholung und Tourismus sowie Naturschutz und Landschaftspflege.

Naturparke kooperieren mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und fördern einen Interessenausgleich zwischen ihnen. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind in diesem Sinne Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Dadurch schaffen sie Verständnis und Akzeptanz für den Naturschutz, fördern die regionale Identität und das Verständnis für eine nachhaltige Gesamtentwicklung des ländlichen Raums.

Geschichte

Wichtigster Wegbereiter der deutschen Naturparke war der Hamburger Kaufmann Dr. Alfred Toepfer. In seinem Vortrag "Naturschutzparke - eine Forderung unserer Zeit" stellte er am 6. Juni 1956 in der Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn ein Programm von fünfundzwanzig Naturparken (dieser Name ersetzte den vorerst benutzten Begriff „Naturschutzparke“) als Vorschlag vor. Weil die Politik das Konzept unterstützte, wurden bereits bis Ende 1964 25 neue Naturparke ausgewiesen. Mehr und mehr fanden die Naturparke Zustimmung unter Vertretern der Presse und den Besuchern. So gründete sich im Jahre 1963 der Verband Deutscher Naturparke e.V. (VDN), dessen erster Verbandspräsident Dr. Alfred Toepfer wurde.

Mit dem 1976 in Kraft getretenen Bundesnaturschutzgesetz verfügten die Naturparke daraufhin erstmalig über eine gesetzliche Grundlage, die Schutzgegenstand und Schutzzweck verbindlich vorgab. Naturparke wurden als, einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die großräumig sind, überwiegend aus Landschafts- oder Naturschutzgebieten bestehen und sich wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen für die Erholung besonders eignen, definiert.

Vor der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 war die Zahl der Naturparke mit 64 viele Jahre lang konstant. Die Wiedervereinigung brachte wiederum neue Impulse für die Entwicklung der Naturparke in Deutschland. Eine Gruppe um Prof. Dr. Michael Succow entwickelte mit dem Nationalparkprogramm kurz zuvor ein System von Großschutzgebieten (Nationalparke, Biosphärenreservate, Naturparke) das noch in der DDR umgesetzt wurde. 14 Gebiete wurden daraufhin in den Einigungsvertrag BRD-DDR übernommen. Die Naturparke der neuen Bundesländer hatten im Vergleich zu den bereits bestehenden westdeutschen Naturparken ein breiteres Aufgabenspektrum. Ziele wie wirtschaftliche Entwicklung, Regionalvermarktung und Umweltbildung wurden in diesem Sinne nach der Vereinigung verstärkt in die Rechtsgrundlagen aller Naturparke aufgenommen.

Die Forderung nach einer gleichgewichteten Integration ökologischer, ökonomischer und sozialer Ziele innerhalb einer nachhaltigen Gesamtentwicklung gewann mit der Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro an Bedeutung. Naturparke, als integrative und überkommunale Akteure, boten  die Chance, einen nachhaltigen Tourismus und eine umweltgerechte landwirtschaftliche Nutzung zu unterstützen und so die nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum zu fördern. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung fand deswegen auch Eingang in die Entwicklungsziele sowie in die praktische Arbeit der Naturparke. 1995 und 2001 wurden die "Aufgaben und Ziele der deutschen Naturparke", die 1984 erstmalig durch den VDN entwickelt worden waren, grundlegend überarbeitet. Mit dem 2006 vom VDN entwickelten "Petersberger Programm der Naturparke in Deutschland" wurden die Schwerpunkte der Arbeit der Naturparke für die kommenden Jahrzehnte festgesetzt. 2018 wurde dieses Programm aktualisiert und als Wartburger Programm veröffentlicht.

Verband Deutscher Naturparke

Der Verband Deutscher Naturparke (VDN) ist seit 1963 der Dachverband der Naturparke in Deutschland, in dem sich die Träger der Naturparke zusammengeschlossen haben. Es sind die bundesweit in den Naturparken aktiven und verantwortlichen Fachleute, die mit ihrer Kompetenz und ihrem Engagement die Arbeit des VDN für den Schutz der Natur und für Umweltbildung, nachhaltiges Reisen, Erholung sowie die Entwicklung des ländlichen Raumes gestalten. Die Mitgliedschaft im VDN kann von jedem Naturparkträger auf Antrag erworben werden. Der VDN erbringt im Gegenzug zahlreiche Leistungen für die Naturparke und für die Entwicklung der Naturparke in Deutschland insgesamt.

Er unterstützt seine Mitglieder dabei, die Naturparke aufzubauen und als Vorbildlandschaften der nachhaltigen Entwicklung zu gestalten. Der VDN ist Berater, fachliches Forum und Impulsgeber. Er kommuniziert die Aufgaben und Leistungen der Naturparke in der Öffentlichkeit und vertritt die Interessen der Naturparke auf politischer Ebene.