Natur- und Kulturräume

Der Naturpark Siebengebirge bietet eine Vielfalt an Natur- und Landschaftsräumen, die es zu entdecken gilt. Bezeichnend für die Landschaft des Siebengebirges sind die dichten Laubwälder, die geologischen Aufschlüsse und die besonderen Kulturdenkmäler, wie Steinbrüche, Weinberge und Obstwiesen.

Geologie

Das Siebengebirge ist ein Vulkangebiet, das wie eine Ansammlung kleiner Pickel auf dem mächtigen Rheinischen Schiefergebirge aufsitzt. Sandsteine, die sich vor 400 Millionen Jahren im Devonmeer mit 10.000 Metern Mächtigkeit ablagerten, wurden im Unterkarbon vor etwa 350 Millionen Jahren durch den nach Norden driftenden afrikanischen Kontinent zum Hochgebirge aufgefaltet. Der erodierte Rumpf dieses Hochgebirges ist das heutige Rheinische Schiefergebirge, das Eifel, Hunsrück, Taunus, Westerwald, Bergisches Land und Sauerland umfasst. Durch Bewegungen der Erdkruste zerbrach diese und eine keilförmige Scholle sinkt seit 40 Millionen Jahren nach unten: die Niederrheinische Bucht. In dieses Senkungsgebiet drang vor 30 Millionen Jahren die Nordsee vor, deren Küste damals bei Bonn lag. An einer Bruchzone drang vor 25 Millionen Jahren Lava aus dem Untergrund nach oben, es folgten gewaltige Vulkaneruptionen von Krakatau-Niveau. Die Landschaft zwischen dem heutigen Porz und dem heutigen Linz wurde mit einer 200 Meter dicken Tuffschicht bedeckt. Das Zentrum der Ausbrüche lag im Bereich des heutigen Mirbesbachtals zwischen Petersberg und Drachenfels. Eine Millionen Jahre lang herrschte Ruhe, dann drang wiederum Lava nach oben, allerdings waren es nur kleine Mengen, die so zähflüssig waren und so wenig Gasdruck aufbauten, dass sie den Weg an die Erdoberfläche nicht schafften, nicht als Vulkane eruptierten, sondern in der Tuffschicht stecken blieben. Einen solchen steckengebliebenen Vulkan nennt man Staukuppe. An über 50 Stellen drang Lava in den Tuff ein, erkaltete und erstarrte zu Trachyt, Latit und Basalt. Vor 400.000 Jahren begann das Rheinische Schiefergebirge sich erneut zu heben, und es hebt sich auch heute noch um einen Millimeter im Jahr an. Durch diese Hebung wurde das Gebiet des Siebengebirges einer verstärkten Erosion ausgesetzt, der weiche Tuff wurde abgetragen, die harten Lavaintrusionen wurden herausmodelliert und blieben als Bergkuppen in der Landschaft stehen: Drachenfels, Oelberg, Weilberg, Stenzelberg, eben alle Berge des Siebengebirges. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch der Rhein, denn er fraß sich jetzt auch in das Rheinische Schiefergebirge hinein, das Mittelrheintal entstand. Auch zur Niederrheinischen Bucht hin tiefte der Rhein sein Bett ein, die Erosionsenergie verstärkte sich und wusch dadurch sozusagen die Kuppen des Siebengebirges frei. Die Gesteine des Siebengebirges liegen seit 25 Millionen Jahren an ihrer Stelle, aber erst in erdgeschichtlich junger Zeit wurde das Siebengebirge als Berglandschaft heraus modelliert.

Wildnisgebiet Siebengebirge

Denkt man an Wildnis, so ist der Gedanke einer weitläufigen und völlig unberührten Landschaft, ähnlich wie in der Antarktis, in Sibirien oder Kanada vorherrschend. Besonders im nordamerikanischen Raum hatte sich der Gedanke von Wildnis als Kontrast zur vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaft stark eingeprägt und zu einer „Wilderness-Bewegung“ geführt. Die unberührte, primäre Wildnis wurde dort ab dem späten 19. Jahrhundert durch die Nationalparke, die auch später in Deutschland eingeführt wurden, unter Schutz gestellt. In diesem Zusammenhang bezog sich auch die Definition von Wildnis auf primäre Wildnisflächen.

Betrachtet man Wildnis im mitteleuropäischen Kontext, so muss man feststellen, dass nur wenige Flächen ursprünglicher Wildnis entsprechen; insbesondere im dicht besiedelten Deutschland.

Trotzdem wurde von der Bundesregierung in der „Nationalen Strategie für Biologische Vielfalt“ (NBS) das 2 %-Ziel ausgesprochen, das besagt, dass 2% der deutschen Fläche der natürlichen Entwicklung überlassen werden soll. Wildnisgebiete sollen durch den Verzicht auf forstwirtschaftliche Nutzung und Überlassung ihrer natürlichen Dynamik zu einer Steigerung der Biodiversität führen und das Bewusstsein der Menschen für natürliche Entwicklung steigern.

Im Sinne der Umweltbildung haben Wildnisgebiete als Symbole für einzigartige Naturräume eine prädestinierte Rolle, um naturschutzfachliche Sachverhalte zu vermitteln. Ökologische Abläufe, Biotopkunde und gesteigerte Biodiversität sind Beispiele für Themen, die sehr gut über das Medium „Wildnis“ vermittelt werden können. Diese sind wichtig, um die Akzeptanz und Anerkennung von Wildnis und Naturschutz im Allgemeinen zu steigern und nachhaltig zu sichern.

Bis heute sind bereits 0,6 % der deutschen Landesfläche von Wildnis bedeckt, wobei der Großteil dieser Flächen in den Kernzonen der Nationalparke liegt. Auf Anregung des Europäischen Parlaments wandelte der Verschönerungsverein für das Siebengebirge 2010 als erster privater Waldbesitzer in Deutschland auf 523 Hektar seiner Fläche zum Wildnisgebiet um. Eine weitere 93 Hektar große Fläche an den Hängen des Petersbergs wurde der Nordrhein-Westfalen-Stiftung im Jahr 2015 durch die Bundesrepublik Deutschland übertragen und ebenfalls zum Wildnisgebiet deklariert, außerdem 45 Hektar Staatswald an Oelberg und Löwenburg. Somit beträgt die gesamte zusammenhängende Wildnisfläche im Siebengebirge derzeit 660 Hektar.

Kulturlandschaft Siebengebirge

Der Naturpark Siebengebirge zählt laut Kulturlandschaftlichem Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen aus dem Jahre 2007 zur Kulturlandschaft "Mittelrheinische Pforte". Diese charakterisiert sich im Übergang vom Mittel- zum Niederrhein sehr markant durch den Eingang in das Flusstal des Unteren Mittelrheins, erkennbar mit flussbegleitenden Bergen und sehr tiefem Einschnitt. Der Raum umfasst die südlichen Teile des Rhein-Sieg-Kreises und der kreisfreien Stadt Bonn. Diese Kulturlandschaft besteht aus den Bereichen Siebengebirge, Drachenfelser Ländchen und Pleiser Ländchen. Im Norden wird sie von der rheinischen Tiefebene, im Westen von Ville und Börde sowie im Osten von der Kulturlandschaft "Nutscheid-Sieg" begrenzt.

Das Siebengebirge hebt sich als landschaftliches Bild aus seiner direkten Umgebung mit vielen Sichtachsen und Sichtbezügen hervor. Die Kuppen und Kegel vulkanischen Ursprungs bilden die Kulisse, in der sich eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit Wald- und Landwirtschaftsflächen, Siedlungen und Steinbrüchen entwickelt hat. Die Silhouette der markanten Kuppen ist weithin sichtbar.

Das flache hügelige Pleiser Ländchen ergänzt den Naturpark Siebengebirge durch Landwirtschaftsflächen, zwischen denen sich kleinere Wälder und Bachtäler befinden. Diese Siedlungs- und Landnutzungsstruktur hat sich im Hochmittelalter herausgebildet und ist noch heute erkennbar.

Die Siebengebirgslandschaft entlang des Rheins erhielt vor allem im 19. Jh. eine romantische Assoziation, die durch englische und deutsche Maler und Literaten ausgelöst wurde und sich bis heute auswirkt. Zu den bedeutendsten Kulturlandschaftselementen zählen der späteisenzeitliche Herrschaftsbereich mit Ringwall auf dem Petersberg und die zugehörige Siedlung zwischen Petersberg und Nonnenstromberg. Ebenfalls die bereits in römischer Zeit aufgeschlossenen Steinbrüche Rüdenet und Drachenfels. Zu den baulichen Zeugnissen gehören die mittelalterliche Burgen Drachenfels, Löwenburg und Rosenau. Aber auch zahlreiche religiöse Elemente wie die Relikte einer Einsiedelei, Fundamente einer Wallfahrtskirche, Kapellen, Kreuz- und Pilgerwege sind Teil dieser besonderen Kulturlandschaft. Darüber hinaus sind Fragmente des ehemals weit verbreiteten Weinanbaus mit Weinbergen, Weingütern und Winzerhäusern heute kulturlandschaftsprägend. Spuren mit Steinbrüchen, Mühlen und Erzbergbau ergänzen die Auflistung und sind wertgebend für die Region. Assoziative Strukturen der Rheinromantik mit ihrer touristischen Erschließung durch Ausflugslokale, Wegesysteme und die Zahnradbahn am Drachenfels bereichern die Landschaft.